Eine MPU ist keine Strafe, sondern das Instrument der Behörde, um Eignungszweifel zu klären: Hat sich jemand im Verkehr auffällig gemacht, darf die Fahrerlaubnis nur dann (zurück)erteilt werden, wenn die Zweifel ausgeräumt sind — und genau das prüft das medizinisch-psychologische Gutachten. Die drei großen Anlassgruppen: Alkohol und Drogen, Punkte und Straftaten sowie Wiederholungsauffälligkeiten.
Die häufigsten MPU-Anlässe mit Grenzwerten
| Anlass | Wann die MPU typisch wird |
|---|---|
| Alkohol | in der Regel ab 1,6 ‰ — auch bei Ersttätern; nach einem BVerwG-Urteil von 2021 auch ab 1,1 ‰ möglich (Details: Grenzwerte bei Alkohol) |
| Cannabis | schon ein einmaliger Konsum-Nachweis im Straßenverkehr kann Eignungszweifel auslösen; Grenzwert für aktives THC im Blut: 3,5 ng/ml (seit 22.08.2024) — was die Legalisierung daran ändert: MPU & Cannabis-Legalisierung |
| andere Drogen | bei jedem Konsum-Nachweis — Gutachten prüft Trennvermögen und Abstinenz (meist 12 Monate lückenlos) |
| Punkte | ab 8 Punkten Entziehung der Fahrerlaubnis; MPU wird bei der Neuerteilung zur Regel |
| Straftaten | bei Straftaten im Zusammenhang mit dem Führen eines Kraftfahrzeugs (etwa Fahren ohne Fahrerlaubnis oder gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr) |
| Fahrrad oder E-Scooter mit Alkohol (1,6 ‰ bzw. Kfz-Grenzen) | MPU-Anordnung: Alkohol auf dem Fahrrad · E-Scooter und Alkohol |
| Wiederholung | bereits zwei Alkohol-Ordnungswidrigkeiten (ab 0,5 ‰) können Eignungszweifel begründen — auch ohne hohen Promillewert |
Die Grenzwerte gelten bundeseinheitlich — die MPU-Anordnung ist nicht Ländersache. Grundlage sind FeV, StVG und die Begutachtungsleitlinien.
Wann meldet sich die Führerscheinstelle?
Üblicherweise erst nach Abschluss des Verfahrens: Die Behörde erfährt von Urteil, Strafbefehl oder Entziehung und schickt dir dann einen Bescheid, der die MPU anordnet. Darin steht die Fragestellung, die das Gutachten beantworten soll — zum Beispiel, ob du Alkohol nur gelegentlich konsumierst.
Zwischen Rechtskraft und Bescheid können Wochen bis Monate liegen; eine feste Frist gibt es nicht. Wichtig zu wissen: Manche Zeit läuft schon vorher — etwa die Überlegung, ob du einen Abstinenznachweis brauchst, der unter Umständen 6, 12 oder 15 Monate dauert. Deshalb lohnt es sich, direkt nach dem Vorfall zu planen und nicht erst auf den Bescheid zu warten.
Wie die Anordnung abläuft
- Bescheid prüfen: Welche Fragestellung wird genannt? Davon hängen Nachweise und Vorbereitung ab.
- Stelle frei wählen: Du suchst dir eine amtlich anerkannte Begutachtungsstelle selbst aus.
- Nachweise klären: Muss ein Abstinenznachweis her? Methode und Zeitraum vor der ersten Kontrolle mit der Stelle klären.
- Termin und MPU-Tag: medizinischer Teil, Leistungstest, psychologisches Gespräch — der komplette Ablauf steht auf der Startseite.
- Gutachten und Neuerteilung: Nach einem positiven Gutachten erteilt die Behörde die Fahrerlaubnis neu — was dann passiert, erklärt Führerschein zurück.
Nach Anlass vertiefen
- MPU bei Alkohol: ab wann? — alle Promille-Grenzen von 0,0 bis 1,6 ‰, auch für Ersttäter und Wiederholung.
- Wann verjährt eine MPU? — welche Fristen wirklich enden (Punkte, Sperrfrist) und warum Warten nicht weiterhilft.
- Punkte & Führerschein — die Skala von 1 bis 3 Punkten, was ab 8 Punkten passiert und wie du deinen Punktestand abrufst.
- Führerscheinentzug — die zwei Wege, der Ablauf bis zum Bescheid und die Sperrfrist.
- Was die MPU kostet — alle vier Kostenblöcke mit Beispielrechnungen.
- Die Checkliste : Unterlagen, Schritte und typische Fehler, kompakt zusammengefasst.
Häufige Fragen
Wann muss man eine MPU machen?
Immer dann, wenn die Führerlaubnisbehörde an der Fahreignung zweifelt. Die typischen Auslöser: Trunkenheit im Straßenverkehr (in der Regel ab 1,6 Promille, nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von 2021 auch schon ab 1,1 Promille möglich), Drogen- oder Cannabiskonsum im Zusammenhang mit dem Fahren (schon ein einmaliger Nachweis kann genügen), 8 Punkte im Fahreignungsregister oder Straftaten im Zusammenhang mit dem Führen eines Kraftfahrzeugs.
Wann meldet sich die Führerscheinstelle wegen einer MPU?
Üblicherweise erst, wenn das Verfahren zu deinem Verstoß abgeschlossen ist — also nach einem rechtskräftigen Urteil, Strafbefehl oder der Entziehung der Fahrerlaubnis. Dann schickt die Fahrerlaubnisbehörde einen Bescheid, der die MPU anordnet und die Fragestellung nennt. Das kann Wochen bis Monate nach Rechtskraft dauern; eine feste Frist gibt es nicht.
Ab wie vielen Punkten wird eine MPU nötig?
Punkte allein lösen keine MPU aus — aber ab 8 Punkten im Fahreignungsregister wird die Fahrerlaubnis entzogen, und bei der Neuerteilung verlangt die Behörde regelmäßig eine MPU zur Fahreignung. Punkte tilgen nach § 29 StVG je nach Entscheidung nach zweieinhalb, fünf oder zehn Jahren.
Gibt es eine MPU wegen Geschwindigkeit?
Einen MPU-Anlass „Geschwindigkeit“ gibt es nicht. Aber jeder gravierende Geschwindigkeitsverstoß bringt Punkte — und wenn sich diese auf 8 summieren, wird die Fahrerlaubnis entzogen und die MPU bei der Neuerteilung zur Regel. Der Weg zur MPU führt bei Punkten also über die Summe der Verstöße, nicht über einen einzelnen.
Wann droht eine MPU in der Probezeit?
In der Probezeit und unter 21 Jahren gilt 0,0 Promille. Ein Alkohol- oder Drogenverstoß zieht Aufbauseminar und Verlängerung der Probezeit nach sich — und ab einer relevanten Menge Alkohol oder Drogen droht dieselbe MPU wie bei jedem anderen auch, denn die Eignungszweifel richten sich nach dem Vorfall, nicht nach dem Alter.
Wird die MPU abgeschafft?
Nein. Immer wieder wird über Reformen der MPU diskutiert, aber Stand August 2026 gibt es keine beschlossene Abschaffung oder grundlegende Änderung. Wer heute eine Anordnung erhält, sollte nicht auf eine Gesetzesänderung setzen.
Quellen
- FeV § 11 — Fahreignung und Begutachtung
- FeV § 13 — Alkohol
- FeV § 14 — Betäubungsmittel und Arzneimittel
- StVG § 29 — Tilgungsfristen im Fahreignungsregister
- Bundesverwaltungsgericht, Urteil vom 17.03.2021 — 3 C 3.20 (MPU-Anordnung ab 1,1 Promille ohne Ausfallerscheinungen)
- Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) — Begutachtungsleitlinien zur Kraftfahreignung
Zuletzt geprüft am 15. August 2026.
Für die strukturierte Aufarbeitung des eigenen Falls gibt es außerdem mpufy.de (Start: Dezember 2026).